Part I

Ein Tiefenrausch

Vor 5 Jahren entschloss sich ein unbedeutender Fotograf aus Trier Menschen statt „toter“ Dinge abzulichten. Heute ist er – sicher immer noch unbedeutend – um viele einzigartige und wichtige Erfahrungen reicher. Etwa 170 Shootings mit wohl mehr als 120 Menschen (ich hab´s nicht genau nachgezählt). Kontakt zu sicher weit mehr als 300 Models und Kolleg*innen. Zahlreiche Magazinveröffentlichungen (VIEW, Nhudes Magazine, MYP Art Magazine, Adore Noir Magazine, Strkng…um nur einige zu nennen) und viele Ausstellungen in Galerien, Kunsthäusern und Kulturzentren (einzeln und mit anderen Künstler*innen). Unschätzbar das alles. Nicht weil man sicherlich sagen könnte der Typ hat Erfolg mit dem was er künstlerisch tut. Viel mehr weil es wichtige Erfahrungen waren und ich grandiose Menschen kennen lernen durfte. Es hat mich verändert. Hat mich gestärkt. Ist etwas das ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte. Dankbar bin ich all diesen Menschen die mich in den 5 Jahren begleitet haben, mir eine Chance gaben. Seien es die Models vor der Linse (manche sind zu Freund*innen geworden), die vielen inspirierenden Kolleg*innen, die Ausstellungsmacher oder Magazinredakteure. Zwangsläufig gab es mit einigen wenigen dieser Menschen auch Probleme, Zerwürfnisse, Streit. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch (ich denke das sieht man schon an meinen Bildern?!), nahm mir fast jedes dieser Probleme sehr zu Herzen.  Heute im Rückblick weiß ich das so etwas ganz normal ist. Es ist ein geflügelter Satz wenn man sagt „es gehört halt zum Leben“, aber es stimmt…die künstlerische Tätigkeit – vor allem mit viel Kontakt zu anderen Menschen – ist ja Teil des Lebens. Warum sollte es also hier anders sein als im „Alltag“. Auch da wird ja nicht jed(r) Kolleg*in im „Brötchenjob“ zum engen, besten Freund. Im Gegenteil, arbeitet man dort mit z. B. 100 zusammen, dann wird man auch bestimmt 5 davon überhaupt nicht ab können. Solange wie die Negativerfahrungen nur einen kleinen Bruchteil der Gesamterfahrung ausmachen ist das also normal…eigentlich kein Problem. Ich hab – selbstreflektierend wie ich bin – mal überschlagen. 15 von über 300 – schlappe 5%. Das ist in meinen Augen akzeptabel. 
Meine 20 besten Bilder – Part I / Bild 1 – „Weight of the World“ / Emily (2016)

Nachhaltig ärgert und belastet mich im Grunde nur ein Fall (und tut dies immer noch!). In diesem einen Fall ist die (große) Liebe im Spiel und dummerweise ist es auch ein Model mit dem ich mehrfach erfolgreich künstlerisch zusammenarbeiten durfte. Also in zweierlei Hinsicht ein wichtiger Mensch. Kommt es da zu Problemen wirkt es sich eben auch auf allen Ebenen aus (und tiefgehend sogar auf die eigene Kreativität, was dann auch wieder andere betrifft). Das stört, verärgert, verletzt – darüber kann man dann nicht so einfach hinweg stolpern. Damit möchte ich aber nicht einem weiteren geflügelten Satz das Wort reden. „Verliebe dich nicht in dein Model…fange niemals etwas mit einem Model an“ – Bullshit sage ich euch! Wenn Kunst und Kunstschaffen zum Leben gehört, dann gehört auch das dazu!
Meine 20 besten Bilder – Part I / Bild 2 – „The Wall“ / Meike (2016)

Von Ecken und Kanten – Hintergrundrauschen

Ich habe versucht mir in diesen 5 Jahren jederzeit treu zu bleiben. Ist es mir gelungen? Teilweise wohl. Ich ecke an, ich polarisiere und manchmal verstöre ich vielleicht auch ein wenig. Sowohl in künstlerischer als auch in zwischenmenschlicher Hinsicht. Das passt nicht jedem und verärgert vielleicht auch den ein oder anderen. Was ich tue ist nie einfach und das soll es auch nicht sein. Ich habe Grundsätze und die versuche ich auch einzuhalten. Es gibt bei mir kein extremes „Beine breit“, keine Pinkshots. Ich möchte keine Waffen auf meinen Bildern. Nicht jeder hat diese Prinzipien und der ein oder andere hält mich aufgrund dessen für einen „Prinzipienreiter“. Quittiert mit Unverständnis, denn schließlich würde in der Kunst ja alles gehen, alles sei erlaubt. Nein! Ich bin der Überzeugung dem ist nicht so – zumindest nicht für mich. So etwas merke ich dann auch mal gerne kritisch bei dem ein oder anderen Kollegen oder Model an. Mag man dann nicht…ist OK! Ich mache dies dennoch, nehme kein Blatt vor den Mund und polarisiere. Ich finde man darf kritisieren, genau wie man auch Kritik vertragen können muss. Ich versuche ehrlich und direkt zu sein – nicht immer zu meinem Vorteil. Und meine Kunst? Die Erfahrung der 5 Jahre zeigt mir…man mag sie (oft sehr) oder man mag sie ganz und gar nicht. Das erfreut mich im Grunde, den Kunst die den „platten“ Geschmack vieler trifft ist in meinen Augen keine Kunst mehr. Sie wird zu bedeutungslosem Mainstream. Es muss manchmal weh tun, es muss manchmal in der Seele stechen und es soll polarisieren!
Meine 20 besten Bilder – Part I / Bild 3 – „Sorrow III“ / Renée Nesca (2017)

Meine 20 besten Bilder – Part I / Bild 4 – „Shy“ / Großstadtheldin (2017)

Stil und so…

Was war wichtig? Sich „treu“ bleiben? Ganz sicher! Noch wichtiger vielleicht aber das Entwickeln, das Arbeiten am eigenen – möglichst unverwechselbaren – Stil. In dem Punkt bin ich hin- und hergerissen. Man sagt mir nach man erkenne meine Bilder meist sofort, ein Wasserzeichen/Logo sei nicht nötig (deswegen unter anderem gibt´s bei mir auch keine). Wenn dem so ist scheint sich in Sachen künstlerischem Stil also durchaus einiges entwickelt zu haben. Ich selbst bin aber weiterhin all zu oft unzufrieden mit mir und meiner Kunst. Ich denke es ist ein fortlaufender Prozess. Ein Prozess, eine Entwicklungsgeschichte die vielleicht niemals endet. Ich könnte also sagen es erfreut mich wenn man meine „Handschrift“ deutlich erkennt, aber mir selbst gefällt die Handschrift sehr oft nicht in dem Maße das ich von großer Zufriedenheit sprechen könnte. Wahrscheinlich muss das so sein. Wahrscheinlich hält das alles im Fluß. Wahrscheinlich (oder hoffentlich) wird das dazu führen das es weiter geht und kein langweiliger Stillstand eintritt. Wenn ich heute Zuschriften bekomme das meine Bilder für viele Kolleg*innen eine wichtige (Haupt)inspirationsquelle sind (und da sind sagen nicht nur junge Nachwuchsleute) und man mir freundlich den „Ideenklau“ bereits vor der Durchführung per Mail ankündigt dann freut mich das, überrascht und verwirrt mich aber auch gleichzeitig. Ich nehme es mal so hin und freue mich still ohne dem ganzen einen zu hohen Wert beizumessen. 
Meine 20 besten Bilder – Part I / Bild 5 – „Untouchable“ mit Lea Dorinna

Soweit der erste Teil meines Tiefenrauschs – meines Rückblicks auf 5 Jahre Pixelworx (jetzt Dunkeltraum). In einigen Tagen werde ich euch hier mehr über das Hintergrundrauschen erzählen…das Leben besteht ja nicht nur aus einem Rückblick und weitere „beste Bilder“ gibt´s dann auch. Bis dahin…
Vielen Dank für´s lesen und schaut wieder rein 🙂

Ps: Ihr dürft auch gerne kommentieren oder mir eine Nachricht mit euren Gedanken zu all diesen Themen schicken!!

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